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Georg fordert Contador
Bericht zur
Sportveranstaltung „FIGHT FOR PINK“ im Rahmen des Giro d’ Italia
19.05.2011 – 22.05.2011
Die wohl zweitwichtigste
Radsportveranstaltung der Welt sollte 2011 in Österreich Station
machen. Und zwar mit einer Zielankunft am Großglockner über die
Heiligenbluter Seite sowie
dem Start der folgenden Etappe in Lienz. Da ich noch nie bei
einem so wichtigen Radsportereignis live dabei war, entschloss
ich mich bald zu einem Kurzurlaub in Lienz sowie zur aktiven
Teilnahme an der Hobbyveranstaltung „Fight for pink“, wo wir
kurz vor den Profis die Original Rennstrecke von Lienz über den
Iselsberg und das Glocknerhaus (Ziel der Profis) hinauf zur
Kaiser Franz Josefs Höhe kurbeln durften.
Gestählt durch unzählige
Ausfahrten in der Buckligen Welt reisten Doris und ich am 19.05.
nach Lienz. Da ich eine Totalsperre von Lienz befürchtete,
buchte ich ein Hotel in unmittelbarer Zentrumsnähe, dem
Dolomitenhotel.

Von hier aus konnten wir
das Stadtzentrum in wenigen Minuten zu Fuß erreichen. Das Zimmer
war riesig und mit zwei Balkonen ausgestattet. Genug Platz, um
sich seine umfassenden Radsporttextilien großzügig aufzulegen.
Allerdings liegt das Hotel am „Hot Spot“ von Lienz und der viele
Verkehr sowie die Nachtschwärmer aus dem Hotel-Pub raubten uns
jede Nacht den erholsamen Schlaf. Egal, am selben Tag holten wir
uns noch rasch die Startunterlagen ab und erhielten dabei schon
die Trophäe ausgehändigt. Das Rosa Trikot! Das Startsackerl
hingegen war nur mit einem riesigen Plastiksack für den
Kleidertransport befüllt. Kein Vergleich zu den sonst üblichen
Bestückungen bei ähnlichen Veranstaltungen.

Der Schnitt des begehrten
Trikots war jedoch sportlich eng und einige Teilnehmer konnten
ihren Körper auch im XXL Format nicht ausreichend bedecken. Am
Abend genossen wir noch das mehr als reichliche Essen, welches
uns von einer überfreundlichen Bedienung gereicht wurde.

Am Renntag, dem 20.05.,
frühstückten wir ganz gemütlich im Hotel um danach die
Kleiderordnung festzulegen. Auf Grund der bisher schon etwas
chaotischen
Organisation entschloss ich
mich, meine Trikottaschen und eine Trinkflasche mit
Textilien vollzustopfen.
Den Rest der warmen Bekleidung für das „Profi Watching“ sollte
Doris im Rucksack mitnehmen. Sie würde den Bus-Shuttle ab
Großkirchheim nutzen. Gesagt. Getan. 30 Minuten vor dem Start
war ich am Bahnhofsplatz, dem Start. Doch von den 800 weiteren
Teilnehmern nichts zu sehen! Da kam Doris mit der rettenden
Information! Der Start wurde auf den Hauptplatz verlegt. Zu
lesen in der vierten Version der Ausschreibung, welche wir am
Vortag ausgehändigt bekommen hatten. Naja, da hatte ich das
Papier wohl schlampig studiert. Rasch musste ich nun die
Örtlichkeit wechseln.

Doch mir blieb nun
klarerweise nur ein Platz auf den hintersten Rängen. Punkt 10.30
erfolgte der Start bei Prachtwetter, leichtem Südostwind,
wolkenlosem Himmel und 25 Grad.

Laut Veranstalter würde die
Zeitnehmung erst ab Heiligenblut erfolgen, daher radelte ich
relativ gemütlich bis zum Anstieg auf den Iselsberg. Die
Kletterei dort hinauf war nicht weiter erwähnenswert. Ich konnte
Position um Position gutmachen und mich dann auf die wunderbare
Abfahrt machen. Bei einer breiten Straße und sehr umsichtigen
Teilnehmern genoss ich das hohe Tempo und die herrliche
Abkühlung nach dem schweißtreibenden Aufstieg. Bis Heiligenblut
verlief nun die Fahrerei ein bisschen zäh. Es bildeten sich
immer nur relativ kleine Gruppen – sicherlich ein Nachteil der
schlechten Startposition. Zudem liefen die Gruppen wenig
harmonisch. Kurz vor Großkirchheim überholte uns ein Bauer auf
eine E-Mountainbike. Er meinte, er würde uns im Ziel hoch oben
dann erwarten! Unglaublich, wie diese Bikes dahinzischen! Auf
Grund der Hitze stoppte ich dann bei der ersten Labestation und
füllte die Flüssigkeitsbehälter ordentlich nach. Kurz vor
Heiligenblut fiel uns dann ein
in grün gekleideter Fahrer
auf, der sich in Cavendish Manier gerne von Autos ziehen ließ.
In Heiligenblut posierte er am Rad mit Ski. Wie sich später
herausstellte, war es der Fritz Strobl, der ehemalige passable
Abfahrer. Ab der Kehre in Heiligenblut begann dann die
Zeitnehmung und ich kurbelte relativ leicht bis zur Mautstelle.
Ab dort begann es aber zunehmend schwieriger zu werden. Bald war
das Kasereck zu sehen, aber die Rampe dort hinauf zwang mich oft
aus dem Sattel und verlange mir einige Körner ab.

Daher nutzte ich dann auch
die Verpflegstelle und zum ersten Mal in meinem
Radlerleben zog ich mir ein
Gel rein. Einen wirklichen „Kick“ verspürte ich nicht,
allerdings war die
darauffolgende kurze Abfahrt ein wahrer Segen. Der Anstieg
hinauf zum Glocknerhaus
erschien mir dann nicht mehr allzu schwer. Richtig
kämpfen musste ich aber die
letzten 500 Meter hinauf zur Kaiser Franz Josefs Höhe. In der
Gallerie war es unglaublich schwer! Aber das Ziel vor Augen
wurden die letzten Kräfte mobilisiert. Ein traumhafter Rundblick
bei angenehmen Temperaturen waren Lohn der Anstrengungen. Nun
verdrückte ich schnell das Gratispaar Frankfurter samt Kuchen
und Tee. Nach der bekleidungstechnischen Neuadjustierung ließ
ich es hinunter zum Glocknerhaus ordentlich „krachen“. Dort traf
ich dann auf Doris, die es mittlerweile mit dem Bus hinauf
geschafft hatte. Bei einem feinen Platzerl mit viel Sonne
konnten wir den Giro genießen. Die Logistik ist unglaublich.
Die Werbekarawane beglückte
uns mit einer netten Tanzeinlage, danach wurde um den
Werberamsch gekämpft. Unglaublich, welche Energie die Menschen
hier entwickeln können.

Das Wetter wurde leider
schlechter. Als sich der Kameramann die Regengarnitur
überstülpte, schwante mir schon Böses. Allerdings verteidigten
wir unseren guten Beobachterposten und ich fuhr nicht schon
früher ab – vermutlich wäre das nun auch wegen der Totalsperre
gar nicht möglich gewesen. Schon flogen uns Contador und Rujano
entgegen.

Kaum waren die ersten
Profis im Ziel, wurde schon die Straße für die Rückfahrt
gestürmt. Nicht nur von den
bereits im Ziel befindlichen Profis, sondern vor allem von den
Busfahrern. Diese blockierten bald völlig den Umkehrbereich der
Busse, sodass es kaum mehr ein Vorankommen gab. Ich konnte mich
gerade noch an ein paar Profis anhängen, die in gekonnter Manier
durch die Menge kurvten. Die Abfahrt ging ich angesichts des
Regens mehr als langsam an. Ich wollte nicht schon wieder mein
Rad putzen! Bald war ich am Parkplatz in Großkirchheim
angelangt, erspähte sofort unser Auto und begann das Rad
abzuwischen. Danach Zeitung zu lesen. Um dann schon Doris zu
empfangen. Den Abend nutzten wir nach dem Abendessen zu einem
Erholungsspaziergang in Lienz.
Am nächsten Tag wollten wir
uns den Start ansehen und dann die Profis am
Schlussanstieg, dem Monte
Zoncolan, anfeuern. Das Spektakel beim Start war
grandios! Die Menge
begeistert. Die Show dauerte mehr als 2 Stunden und ließ
keinerlei Langeweile
aufkommen. Trikots wurden präsentiert.

Ein Highlight war
sicherlich die Einschreibung der Fahrer. In typisch
italienischer Manier wurden die Fahrer präsentiert und einige
Mannschaften vorgestellt.

Einstweilen instruierte die
Chefin der Carabinieri ihre männlichen Gehilfen.
Ausspruch eines
Einheimischen: „ Desch isch jo wia bei uns, do hobm a de Weiba
des sogn“.

Schon bald rollte das 180
Mann starke Fahrerfeld bei uns vorbei Richtung Sillian hinaus.

Der Materialaufwand in Form
von Teamfahrzeugen war beeindruckend.

Wir fuhren dann mit dem
Auto über den Plöckenpass Richtung Ovaro, also die
Westseite des Monte
Zoncolan. Leider wurden wir aber einige KM davor gestoppt. Etwa
2 Stunden bevor die Profis vorbeikamen, waren alle Straßen
gesperrt! Wir kamen in einen kleinen Ort und hofften über Umwege
nach Ovaro vordringen zu können. Aber selbst hier, 4km (!) vor
der Hauptstrecke, war bereits alles abgesperrt. Unser Versuch,
die 4km über ein Flussbett abzukürzen, scheiterte, da wir den
Fluss einfach nicht überqueren konnten. Deprimiert kehrten wir
zu einer kleinen Kapelle auf einer Erhebung zurück, wo wir
wenigstens mit dem Fernrohr das Treiben bei einer Abfahrt
beobachten konnten. Auf der Heimfahrt begann es dann kräftig zu
regnen. So konnten wir dann auch das Freilichtmuseum am
Plöckenpass nicht mehr besuchen. Obwohl wir an diesem Tag nichts
erreicht hatten, waren wir abends enorm erschöpft. Aber die
Nachtschwärmer aus dem Hotel-Pub leisteten wieder gute Dienste
und verhinderten abermals eine erholsame Nachtruhe.
Am Sonntag machten wir nur
mehr eine 2,5 stündige kleine Wanderung um den Tristacher See.
Meine geplante Radfahrt ab dem Semmering fiel buchstäblich ins
Wasser, ein Gewitter hatte die Straßen ordentlich nass gemacht.
Fazit:
Der Giro ist ein
wunderbares Ereignis, das sich Radsportbegeisterte nicht
entgehen lassen sollten. Meine Leistung bei der
Hobbyveranstaltung entsprach in etwa meinen Vorstellungen. |